Mittwoch, 17. Oktober 2007
Körper und Geist
Fast 2000 Höhenmeter bergauf, da bin ich schon etwas stolz drauf. Vor einem Jahr wäre so eine Wanderung für mich undenkbar gewesen. Die sonntägliche Wanderung hat mir einmal vor Augen geführt, wie ich in diesem Jahr meine körperliche Leistungsfähigkeit (ohne grossen Aufwand) wieder auf ein Niveau gebracht habe, wie ich es zuletzt vor zehn, fünfzehn Jahren kannte.

Die sportliche Leistung ist das eine und der Stolz darauf vielleicht fast etwas lächerlich. Dennoch, dieses Körpergefühl wieder erlangt zu haben, stärkt mein Selbstbewusstsein. Meine Ausstrahlung hat sich ganz wesentlich verändert. Freunde, die mich ein paar Jahre nicht mehr gesehen hatten, äusserten sich am Samstag begeistert darüber. Dies schon bevor sie gemerkt hatten, dass ich etwas anderes als sie im Glas habe. Eine Freundin schwärmte gar vom Glanz in meinen Augen!

Es dauert lange, bis solche Rückmeldungen kommen, aber sie kommen. Sie kommen immer wieder. Sie lösen bei mir ein Glücksgefühle aus und tragen mich durch den Tag. Durch die Tage.

Ich habe von einer trockenen Alkoholikerin gelesen, sie sei fast ein wenig froh um ihre Sucht. Sie lebe ein zweites Leben, das sie in einem derartigen Mass erfülle, wie es ohne die schwierigen Jahre nie möglich gewesen wäre. Mein erster Gedanke zu ihrer Äusserung war: Da ist was dran, aber sie übertreibt. Mittlerweile sage ich: Stimmt!

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Donnerstag, 4. Oktober 2007
Bierbauch
Mager war ich schon immer. Zu dünn, finden manche. Tatsache ist, dass ich schon immer ein wenig ein Auge darauf haben musste, nicht abzunehmen. Dennoch hatte ich einen Bierbauch. So einen geblähten, einen der stört, wenn man auf dem Bauch schlafen will.

Die Pauke ist weg!

Mir schien immer klar, dass in meinem Alter (41) Bauchfett nur mit gezieltem, intensiven Training bekämpft werden kann. Ich treibe Sport nicht intensiv, aber regelmässig und mit Genuss. Seit einigen Monaten schwimme ich ungefähr ein Mal in der Woche. Rad fahren bleibt oft beim Vorsatz. Nun bin ich zwei Monate nicht geradelt. Gestern ging ich mit dem Rad in der Umgebung Mittagessen. Danach traf ich mich spontan ein paar Dörfer weiter mit einem Freund. Ihn begleitete ich noch ein Stück und fuhr nach Hause. Auf dem Zähler waren über fünfzig Kilometer. Ohne jegliche Anstrengung! Ich mag mich an Zeiten (sie liegen nicht lange zurück) erinnern, wo ich nach dreissig Kilometern so flach wie die Strecke war . . .

Mein Vorsatz: Immer ein bisschen bewegen, möglichst nicht anstrengen. Die Freude ist wichtiger als dass der Schweiss fliesst!

Man weiss übrigens, dass enorm viele Freizeitsportler falsch trainieren. Meine Vermutung: Wer nur einmal die Woche kurz den Puls in die Höhe treibt erzielt den geringeren Effekt als derjenige, der sich im tiefen Pulsbereich bewegt und dafür länger dran bleibt.

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Mittwoch, 26. September 2007
Alkohol macht dumm
Stimmt. Darüber wie dumm, entscheidet aber nicht die Alkoholmenge. Auch in meinen wilderen Zeiten habe ich Diplome gesammelt. Der Aufwand, diese zu erlangen, war immens. Da hätte ich mir einiges ersparen können.

Wenn wir Menschen sehen, die vom Alkohol sichtbar dumm geworden sind, hat das vor allem damit zu tun, dass sie ihr Hirn zu wenig beschäftigen. Das Hirn lässt sich trainieren. Das ist nicht anders als beim Sport. Ohne Alkohol sind einfach die Resultate besser. Und sie lassen sich viel schneller erreichen.

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Dienstag, 25. September 2007
Selbsttest
Mit den Selbsttest hatte ich es so. Mit zwanzig Jahren stellte ich die Tests in Frage. Wer geringe Mengen konsumiert, wird bereits zum Alkoholiker erklärt. Heute weiss ich, dass es gar nicht um die Mengen geht. Ich konnte mir schon damals, etwa während des Armeedienstes, einen Abend ohne Bier schlicht nicht mehr vorstellen. Kriegte ich mein Bier nicht, fragte ich mich, ob ich trotz der Müdigkeit überhaupt schlafen könne. Insgeheim spürte ich wohl schon damals, dass ich's ohne nicht mehr kann.

Später gaben mir Tests und diverse Lektüre immer stärker zu denken. Die Auseinandersetzung mit dem Thema hat sich offensichtlich doch noch gelohnt. Etwas spät für meinen Geschmack, aber immerhin.

Selbsttest


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Samstag, 22. September 2007
Trinkst Du nie Alkohol?
Diese Frage wird mir zwar überraschend selten gestellt. Mittlerweile beantworte ich sie hin und wieder mit «so gut wie nie».

Vorteil dieser Antwort:
Ich muss nicht erklären, warum ich nicht trinke. Das Thema ist sofort erledigt.

Nachteil: Jemand könnte sie zum Anlass nehmen, mir erst recht Alkohol aufschwatzen zu wollen. Ist bis jetzt nie vorgekommen. Und wenn's so weit kommt, kann ich mich ja immer noch erklären. Aber wenn's elegant ohne geht, umso besser. Ist ja manchmal nicht eben angenehm, wegen des Themas urplötzlich zum Mittelpunkt der Runde zu werden.

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Dienstag, 4. September 2007
1 Jahr
Heute ist ein Jahr geschafft. Kein Grund, zu triumphieren, aber ein bisschen stolz, ja, das bin ich schon. Vor allem aber freut mich, dass ich den Mut dann irgendwann doch noch fand, die Grundlage zu schaffen, auf der all das möglich war, was mir seither widerfahren ist. Echt, das jetzt ist eine der schönsten Zeiten in meinem Leben.

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Montag, 3. September 2007
3. September 2006
Vor einem Jahr startete ich in meinen letzten Tag mit Bier-Begleitung. Am ersten Tag meiner Trockenheit wollte ich nicht mit starken Nachwirkungen eines grossen Rausches kämpfen.

In der Schilderung meines Entzugs habe ich berichtet, dass es beim Vorsatz blieb. Ich kam erst am frühen Morgen, nach ausgelassenem Feiern ins Bett. Darüber habe ich mich damals ziemlich geärgert.

Im Nachhinein gesehen denke ich, dass ich mir in dieser Nacht noch einmal eindrücklich vor Augen geführt habe, dass ich mit dieser Droge wirklich nicht umgehen kann. Dass ich nochmals richtig über die Stränge schlug und das folgende, schlechte Gewissen, werde ich wohl nie vergessen. Das wiederum hat den Effekt, dass ich genau weiss: So nie mehr!

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