Dienstag, 15. März 2016
Doch doch, es gibt mich noch
Eine Zeit lang half es mir, viel über die Trinkerei nachzudenken. Und vor allem habe ich viel über mich nachgedacht und mich hier auch dazu geäussert. Mittlerweile brauche ich dieses Ventil nicht mehr. Im Gegenteil, ich bin froh, dass das Riesenthema fast kein Thema mehr ist.

Hin und wieder denke ich zurück und denke, da will ich nie mehr hin. Vor allem aber habe ich immer noch vor Augen, was ich noch alles erreichen könnte. Ich meine damit nicht ein Karriereziel, eher an ein erfülltes Leben.

Und ja, hin und wieder kommen mir die Anonymen Alkoholiker in den Sinn. Da war ich lange nicht mehr. Von den drei Sitzungen, die ich damals besucht hatte, hätte ich mir zwei wohl sparen können. Aber die erste, die hat mir, als ich zwar etwas unsicher, aber immerhin in der Spur war, massiv gestärkt. Danke!

Euch allen viel Mut, macht's gut.
Stoe

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Montag, 5. April 2010
Vorsatz positiv formulieren
Nachdem es mir lange gut gelungen ist, Vorsätze auch in die Tat umzusetzen, bin ich in letzter Zeit – wie geschildert – mehr oder weniger eingeknickt. Darüber mag ich mich jetzt nicht lange grämen. Ich bin etwas in mich gegangen und habe mir meine Gedanken gemacht, was an meinen Überlegungen funktioniert hat und was weniger funktioniert.

Eine Erkenntnis: Der Vorsatz «Ich will/werde nicht trinken» taugt für mich nicht. Dass negativ formulierte Ansprüche an sich selbst nicht umsetzbar sind, hatte ich mal gelesen. Darauf bin ich in den letzten Tagen aber auch aus eigener Herleitung gekommen. Mein Vorsatz für den Neustart heisst deshalb: «Ich will meinen Stolz (und meine Lebensfreude und mein Selbstbewusstsein) zurück».

Nie ging es mir besser als in der Zeit, in der ich gar nichts getrunken habe. Da will ich wieder hin, dieses Gefühl möchte ich wieder haben. Und weil ich weiss, wie das war, ist das kein schwammiges Ziel, sondern ein sehr konkretes.

Jetzt sind es bereits wieder drei «saubere» Wochen geworden und meine Stimmung hat sich gewaltig verbessert. Ich trete ganz anders auf, sicherer und ich strotze vor Zuversicht. Das spürt mein Umfeld – und das wirkt sich wiederum auf mich aus. Nun, dieser Effekt wird auch wieder verblassen. Aber dafür habe ich Strategien entwickelt (und hier auch beschrieben). Die meisten davon waren die richtigen. Nur: Ich habe den Verzicht auf Alkohol als echten Verzicht empfunden. Heute weiss ich, dass ich mir viel Gutes tue, wenn ich nichts trinke. Von Verzicht kann da nicht mehr die Rede sein. Könnte sein, dass ich da einen gewaltigen Schritt weitergekommen bin in meinen Erkenntnissen.

Klingt doof das alles, ich weiss. Aber das ist mir jetzt egal. Soll's doof klingen, Hauptsache mir hilft's.
Stoe

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Dienstag, 16. März 2010
Neustart
Habe lange nichts mehr geschrieben hier. Das hatte schon seinen Grund, respektive seine Gründe.

Zuerst einmal wollte ich mich nicht mehr täglich mit der Problematik Alkohol aktiv auseinandersetzen. Der Alltag ohne Alkohol wurde normal und sollte es auch bleiben. Da gab's nichts mehr zu schreiben drüber.

Oder etwa doch? Ehrlich gesagt, ja doch. Hätte es durchaus gegeben. Aber die Ausnahmen, die ich mir gegönnt habe, wollte ich nicht hier breitschlagen. Vor allem deshalb, weil ich dafür kein Beispiel abgeben wollte.

Ganz kurz zusammengefasst lief meine philosophische Entgleisung (seit Entzug 1) so:

Kurz nach dem Entzug hielt ich «Kontroliertes Trinken« für einen romantisch-irren Gedanken.

Nach ein paar Monaten gönnte ich mir die erste scheue Ausnahme. Was verdünntes, harmloses.

Nach einem Jahr war für mich klar, dass der Weg zum «Kontrollierten Trinken» nur über die Abstinenz führen kann.

Nach drei Jahren häuften sich sowohl die Ausnahmen wie auch die Alkoholmenge pro Ausnahme. Ganz leicht nur, aber die Kurve stieg an. Später kamen dann schwierige Zeiten mit privaten Problemen und beruflichen Herausforderungen (huah gähn, die bekannte Melodie halt . . .). Das beste aber war der Irrglaube: Wenn ich einen Monat lang in ein arabisches Land fahre, löst sich das Problem fast von selbst wieder. Da wird die Abstinenz wieder zum Normalfall.

Da habe ich mich ja schön getäuscht. Am Anfang war das schon so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Das änderte sich aber bald. Und später, bei der Rückreise durch Spanien, da gab's kein Halten mehr. Zurück zu Hause musste ich mich ganz schön zusammenreissen, wieder in einen gesunden Alltag zurückzufinden. Dann ein weiteres privates Problem, eine weitere herausfordernde berufliche Situation und letztlich unglücklich verliebt. Der ganze Cocktail. Die Hoffnung verloren, habe ich mich gehen lassen.

Und seit letzten Samstag läuft also Entzug II. Mit Zittern und Schwitzen, das ganze Theater halt.

Im Vergleich zum ersten Entzug weiss ich dieses Mal von Anfang an, dass sich die Strapaze lohnt. Diese Erfahrung mache ich nun noch einmal. Und weil ich, bevor die Trinkerei wieder mehr oder weniger entgleiste (zum Glück nicht für sehr lange Zeit), etwas Gutes für mich tun wollte, habe ich vor etwas über einem Monat das Rauchen wieder eingestellt. Das kümmert mich im Moment zu allerletzt. Wünscht mir Glück, ich wünsch's Euch auch!

Stoe

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Dienstag, 24. Februar 2009
Lift gefahren
Heute, auf dem Weg durch die Stadt, entstand bei mir ein Vergleich, ein Bild:

Einst stand ich an einem Punkt im Leben, an dem ich ahnte, dass eine Abwärtsbewegung einsetzen würde. Je bewusster mir das wurde, desto deutlicher wurde die Fahrtrichtung. Der Lift fuhr nach unten.

Hinunter ins erste Untergeschoss, dann ins zweite. Ich beschloss endgültig, die Richtung zu drehen. Ganz unten, im fünften Stock landen, das durfte nicht sein.

Die Trendwende gelang nicht auf Anhieb. Lange blieb der Lift fast bewegungslos und langsam, ganz langsam erreichte ich (trotz verzweifeltem Widerstand) das dritte Untergeschoss. Ich zog die Notbremse, stoppte die Trinkerei. Im dritten UG verblieb ich nicht lange. Der Wiederaufsteig in Etage UG2 folgte bald. Dann der ins UG1, plötzlich gewann der Lift an Fahrt.

Heute – zweieinhalb Jahre später – sehe ich mich auf +7 (von zehn). Und die Fahrt geht weiter, nicht mehr so schnell zwar, aber es geht voran. Eine herrliche Aussicht, hier oben! So macht die Arbeit Freude, so gefällt mir das Leben!

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Sonntag, 21. Dezember 2008
Geschenke
Ein ganz simples Geschenk ist manchmal das wirkungsvollste. Das Weihnachtsessen bietet hierzu die willkommene Gelegenheit. Freunde und Angehörige schätzen es ungemein, wenn man alkoholische Getränke ablehnt. Sagen werden sie das zwar nicht, sonder äussern sich vielleicht sogar gegenteilig. Aber: Gesichter sprechen Bände.

Welche Mutter freut sich nicht, wenn der Sohn, die Tochter Reife zeigt?!

Schöne Feiertage
Stoe

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Mittwoch, 3. September 2008
Zwei Jahre
Nun sinds also zwei. Na und? :-)

Der Satz «Trinken Sie einfach mal drei Jahre nichts» hallt bei mir immer noch nach. Damals dachte ich: Wie denn auch? Heute dient mir die Erinnerung daran als Motivation, diese Forderung doch zu erfüllen. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass ich das mit Leichtigkeit schaffen werde.

Darüber hinaus bin ich daran, mir für die Zeit nach September 2009 ein neues Ziel zu fixieren. Nicht zu belastend, aber eben doch verpflichtend.

Was ich noch immer fürchte, ist der Übermut. Die Abstinenz wird immer selbstverständlicher, umso mehr ist sie gefährdet. Dass ich auch mit der einen oder anderen Ausnahme klar gekommen bin, wirkt jetzt nachteilig, da könnte ich überheblich werden. Gut, ich weiss darum und bleibe deshalb auf der Hut.

Euch allen gute Gesundheit!
Stoe

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Montag, 28. Juli 2008
Sendepause
Wenn es hier schon länger keinen neuen Eintrag mehr gibt, kann das zwei Gründe haben:

– Der Autor ist rückfällig geworden, oder
– er hat das Interesse am Thema verloren

Zutreffend ist Letzteres, wenn auch nicht in dieser Deutlichkeit.

Ich mache mir kaum mehr Gedanken über die Problematik Alkohol. Wenigstens kommt es mir so vor. Vermutlich treffe ich mehrmals täglich die Entscheidung: Nein, keinen Alkohol. Aber das geschieht längst automatisch, den Entscheid dafür oder dagegen treffe ich nur noch selten bewusst. Das Nichttrinken ist normal geworden. Ein Glas Wein ist die grosse Ausnahme und es bleibt bei einem Glas. Für mich gilt: Was ich als 16jähriger durfte, darf ich auch jetzt wieder.

Berauscht habe ich mich seit bald zwei Jahren nie mehr. Von Bier lasse ich konsequent die Finger, vor meiner einstigen Lieblingsdroge habe ich immer noch einen Heidenrespekt.

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