Donnerstag, 5. Juni 2008
999 mal gelesen
Der Eintrag «Kalter Entzug» wurde bis heute (5. Juni 2008) 999 mal gelesen. Liebe Leser, ich wünsche mir für Euch, dass Ihr Eure Vorsätze durchziehen mögt!

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Dienstag, 3. Juni 2008
Buchtipp
Aus meinem engsten Umfeld, von jemandem, der weiss, was bei mir Sache ist, wurde mir ein Buch empfohlen: The Tender Bar von J.R. Moehringer.

Nach den ersten paar Seiten habe ich mich gefragt, warum um Himmels Willen soll ausgerechnet ich dieses Buch lesen? Faszination Bar. Trinkkultur. Rituale. Alles drin, was ich auch kenne. Und noch einiges mehr, das von mir sein könnte. Nur bin ich nicht in New York aufgewachsen. Aber übertragen auf meine Jugend auf dem Land sind die Parallelen augenfällig. Wie sehr, ist sich die Person, die mir das empfohlen hat, wohl gar nicht bewusst.

Das Buch gefällt mir, weil es nicht moralisiert. Im Gegenteil, wer nicht aufmerksam liest, könnte meinen, da gefalle sich einer im Abstürzen. Sehr lesenswert!


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Mittwoch, 7. Mai 2008
Zweites Leben II
Die Intensität meines zweiten Lebens nimmt Züge an, die mein Umfeld (vor allem mein engstes Umfeld) bass erstaunen. Einige von ihnen versuchen gar nicht erst, ihren wohlwollenden Neid zu verbergen.

Meine anhaltend gute Laune ist ansteckend, sie ermöglicht Erfolgserlebnisse. Diese wiederum stellen mich auf und schaffen den Boden für weitere kleine, persönliche Triumphe. Die Spirale dreht und dreht und dreht. Das tat sie immer. Nur nicht immer so klar nach oben.


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Zweites Leben
Irgendwo in diesem unglaublich weiten Net gibt es eine Person, bei der ich etwas gelesen habe, das mir aus der Seele gesprochen hat. Das liess mich deshalb nicht mehr los, weil ich selber auch mit einem ähnlichen Gedanken beschäftigt war.

Diese Frau sagte so ungefähr, dass sie froh sei, Alkoholikerin zu sein. Ihr sei – nach dem Entzug – ein zweites Leben geschenkt worden. Dieses geniesse sie jetzt viel intensiver als sie das sonst hätte tun können. So geht es mir auch.

Und noch besser: Es wurde mir nicht geschenkt, das habe ich mir erkämpft.


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Donnerstag, 24. April 2008
Positive Beispiele
Gestern habe ich einen Berufskollegen getroffen, der mich immer mit seinem Drive beeindruckt hat. Unglaublich, was der leistet. Wahnsinn, wie schnell der denkt. Seine gute Laune ist ansteckend.

Kein Wunder, hatte ich oft ihn im Hinterkopf, wenn ich mich zum Verzicht auf Bier motivierte. Der Mann trinkt seit ewig keinen Alkohol mehr. Schmeckt ihm nicht, bekommt ihm nicht, sagt er. Peinlich, wie sich alkoholisierte Menschen aufführen, findet er.

Ich lasse mich nicht blenden und bin auch nicht immer mit allem einverstanden, was ich von ihm und anderen Menschen höre, die ich schätze. Aber sie sind mir leuchtende Beispiele, was eine gesunde Haltung bewirken kann. Nun staune ich seit längerem über meine eigene, scheinbar kaum mehr endende Energie. Das ist es, was ich wollte. Aus dem Vollen schöpfen!

Da fragt man sich am Anfang, wie um Himmels Willen man gut gemeinte Ratschläge umsetzen soll. Zum Beispiel den, dass man sich neue Hobbys anlachen solle. Da sind einige dazu gekommen, in letzter Zeit. Und einige alte habe ich wieder aufgenommen. In der Kneipe sitzen? Tue ich immer noch gerne, aber immer seltener. Keine Zeit mehr :-)

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Samstag, 19. April 2008
Rückfall
Der gesunde Respekt vor dem Rückfall ist bei mir – bei aller Lockerheit – dauerpräsent. Ich streite nicht ab, dass ein einziger Schluck zum Rückfall führen kann, erlebe das selber aber anders.

Als Rückfall würde ich in meinem Fall einen Rausch bezeichnen. Meine Gedanken kreisen oft darum, wie ich mir so einen verzeihen würde – und ob ich das überhaupt würde. Diese Unsicherheit hat mich bisher gestützt, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen.

Mythos Schnapspraline


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Montag, 7. April 2008
Zu viel oder noch im grünen Bereich?
Trinke ich zu viel?

Die Frage habe ich mir oft gestellt und lange Antworten gefunden, sie zu verneinen. Wie sehen das Andere? Für Jugendliche gedacht, aber nicht nur (Link klicken):

Wo wird's kritisch?


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Dienstag, 18. März 2008
Wie wird man Alkoholiker?
Eigentlich ist die Antwort darauf irrelevant. Dass ich das Potential zum Alkoholiker habe, ahnte ich schon früh. Hätte ich gehandelt, hätte ich mir (und anderen) ein paar Dinge ersparen können. Den Auslöser für die Sucht zu kennen, löst das Problem nicht. Und ob es beruhigend wirkt, ihn zu kennen? Das bezweifle ich.

Selber habe ich schon früh gemerkt, dass ich Mühe habe, Mass zu halten. Beim Rauchen genauso wie mit dem Bier. Das Kiffen habe ich gar nicht erst versucht,. Immerhin so weise war ich Schnösel damals.

Bei der Ursache nach den Gründen tauchen oft die üblichen Verdächtigen auf. Die Partnerinnen und die Eltern. An meine wenigen Freundinnen lasse ich da gar nichts kommen. Nur eine von ihnen hat gerne mitgetrunken, hat das aber vermutlich bis heute im Griff. Den anderen sagte der Alkohol nichts.

Meine Eltern haben mir die Trinkerei nicht vorgelebt, allerdings sind meine männlichen Vorfahren am Alkohol kaputt gegangen, einer arbeitet gerade mit Ausdauer daran. Während meiner Kindheit und Jugend war aber auch er sauber.

Nun, das Ganze ist ja viel komplexer. Und es stimmt, dass ich als Jugendlicher eine Phase hatte, wo ich es zu Hause so gut wie nicht aushielt. Das war mir nicht einmal so richtig bewusst. Aber ich bin jeden Abend in die Dorfkneipe geflüchtet. Das wurde zu meiner Welt, dort fühlte ich mich geborgen.

Was bringt diese Erkenntnis? Wenig. Damals hätte ich konsequenter handeln sollen. Auf welchem Weg ich mich befinde, das wusste ich. Einen halbherzigen Versuch einer Kurskorrektur habe ich tatsächlich gemacht. Ich bin relativ weit von zu Hause weggezogen. Nur, meine Gewohnheiten veränderten sich nicht nachhaltig. Das ist der Punkt, der zählt.

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